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Diffusionsprozesse in ökonomischen Systemen

An evolutionary approach to technical change

FWF-Projekt P 24915-G11

Fördersumme: EUR 330.435,00

2012-2016 

Technischer Fortschritt findet in vielen unterschiedlichen Formen statt. Joseph A. Schumpeter identifizierte fünf unterschiedliche Formen, diese umfassen: (1) die Einführung eines neuen Produkts, (2) die Einführung eines neuen Produktionsprozesses, (3) die Entstehung eines neuen Marktes, (4) die Verwendung neuer Ressourcen oder Zwischenprodukte und (5) die Einführung neuer Organisationsformen. Im Rahmen des vorgestellten Projekts werden die dynamischen Eigenschaften von Ökonomien im Falle von exogenen Technologieschocks, charakterisiert durch die Einführung neuer Produktionsprozesse, untersucht. Beim Auftreten technischen Fortschritts, kann die Frage gestellt werden, welche Charakteristiken der Transitionspfad einer Ökonomie beim Übergang von einem stationären Zustand zu einem anderen aufweist. Unter der Verwendung von Leontief-Produktionsfunktionen, werden Produzenten in diesem Kontext mit einem zweifachen (oder mehrfachen) Technikwahlproblem zwischen zwei oder mehreren Produktionsprozessen konfrontiert. Der daraus resultierende Transitionspfad, welcher zwei unterschiedliche langfristige Ruhepositionen verbindet, wird durch die Anwendung evolutionsökonomischer Ansätze sowie klassischer ökonomischer Ansätze, konstruiert. Erste Versuche diese beiden Forschungsrichtungen zu kombinieren, wurden von Steedman und Metcalfe (2011) gemacht.

Das Ziel dieses FWF-Projekts ist es, die Forschung in diese Richtung voranzutreiben. Vier eigenständige aber nicht voneinander unabhängige Aufgabenstellungen zielen darauf ab, das Verständnis der dynamischen Eigenschaften ökonomischer Systeme, beeinflusst durch das Auftreten technischen Fortschritts, zu schärfen. Im Rahmen des ersten Teils wird ein Literaturüberblick über bereits existierende Ansätze in puncto der Dynamik ökonomischer Systeme gegeben. Insbesondere wird der Fokus dabei auf Schumpeter und seine Innovationstheorie (Schumpeter 1912, 1961, 2005) sowie auf institutionelle Ansätze, wie sie von Thorstein Veblen (1898, 1924) entwickelt wurden, gelegt. Die Kombination dieser unterschiedlichen literarischen Ansätze mit empirischen und theoretischen Ergebnissen der Diffusionstheorie (Rogers 2003), ermöglicht die Modellierung und Simulation ökonomischer Diffusionsprozesse. Die beiden Aufgabenstellungen 2 und 3 verbinden die Theorie der klassischen Ökonomik mit der Evolutionsökonomik. Genauer gesagt, werden im zweiten Teil einsektorale Modellökonomien untersucht. Im Unterschied dazu, werden im dritten Teil intersektorale Feedback-Effekte, mittels der Analyse multisektoraler Modelle, betrachtet. Dabei wird ein ausführlicher theoretischer Rahmen entwickelt, welcher in Folge im Bereich der politischen Ökonomik für praktische Zwecke angewandt werden kann. Wie von Rogers (2003) untersucht, sind sowohl formelle als auch informelle Institutionen (im Sinne von North 1990) ausschlaggebend für die Beschaffenheit von Diffusionsprozessen neuer Technologien. Da technischer Fortschritt ebenso einen wesentlichen Einfluss auf sozioökonomische Problemstellungen (Rogers 2003, Kap. 11 und Kalmbach & Kurz 1992) hat, liegt es im Interesse von (politischen) Entscheidungsträgern einerseits technischen Fortschritt voranzutreiben, und andererseits den Diffusionsprozess durch die Schaffung geeigneter Institutionen, zu formen. Aus diesem Grund wird die Rolle von Institutionen in den jeweiligen Modellökonomien ausführlich untersucht. Sowohl formelle Institutionen, wie unterschiedliche Rechtssysteme als auch informelle Institutionen, beispielsweise historisch entstandene Normen, werden dabei berücksichtigt.

Im vierten Teil werden schließlich mathematische Werkzeuge vorgestellt, welche für die Bearbeitung der beiden Aufgabenstellungen 2 und 3 vonnöten sind. Dabei wird insbesondere die Theorie der Lie-Symmetrie Analyse (Bluman und Kumei 1989) für ökonomische Modellierungszwecke adaptiert.

Bibliografie

Bluman, G.W.; Kumei, S. (1989): Symmetries and Differential Equations. New York: Springer.

Kalmbach, P.; Kurz, H.D. (1992): Chips und Jobs. Zu den Beschäftigungswirkungen des Einsatzes programmgesteuerter Arbeitsmittel. Marburg: Metropolis-Verlag.

Kurz, H.D. (2008): Innovations and profits: Schumpeter and the classical heritage. Journal of Economic Behavior & Organization, 67 (1), 263–278.

North, D.C. (1990): Institutions, institutional change, and economic performance. Cambridge and New York: Cambridge University Press.

Rogers, E.M. (2003): Diffusion of innovations. 5. Ausgabe, New York: Free Press.

Schumpeter, J.A. (1912): Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Berlin: Duncker & Humblot.

Schumpeter, J.A. (1961): Konjunkturzyklen. Eine theoretische, historische und statistische Analyse des kapitalistischen Prozesses. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Schumpeter, J.A. (2005): Capitalism, socialism and democracy. 5. Ausgabe, London: Routledge.

Steedman, I.; Metcalfe, S. (2011): Herr Schumpeter and the Classics. Papers on Economics and Evolution. Jena: Max Planck Institute of Economics, Evolutionary Economics Group.

Veblen T. (1898): “Why is economics not an evolutionary science?” The Quarterly Journal of Economics, 12 (4), 373–397.

Veblen T. (1924): The Theory of the Leisure Class, New York: B.W. Huebsch.

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